Azubi-Wohnen als Standortfaktor: Praxisdialog AzubiWohnen in Flensburg
Auszubildenden-Wohnraum: ein wachsendes Thema auch jenseits der Großstädte
Steigende Mieten, knapper Wohnraum und hohe Nebenkosten erschweren es Auszubildenden zunehmend, eine passende Unterkunft zu finden. Diese Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur Großstädte, sondern auch viele Mittel- und Kleinstädte. Für Unternehmen und Wirtschaftsregionen wird Wohnraum damit zu einem zentralen Standortfaktor: Ohne bezahlbare Wohnungen lassen sich Ausbildungsplätze immer schwerer besetzen und Fachkräfte langfristig binden.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Konzepte des Azubi-Wohnens an Bedeutung, die Wohnraum, Ausbildung und regionale Entwicklung zusammen denken.
Praxisdialog in Flensburg: Analysen und Erfahrungen zusammenführen
Beim Praxisdialog „Azubi-Wohnen in Flensburg“, organisiert von der Stadt Flensburg und der IHK Flensburg, war das Moses Mendelssohn Institut (MMI) eingeladen, Impulse aus Forschung und Praxis einzubringen. Aufbauend auf einer regionalen Marktanalyse wurden strukturelle Fragen diskutiert:
Wie lassen sich Wohnangebote für Auszubildende tragfähig finanzieren?
Welche Betriebsmodelle haben sich bewährt?
Und welche Rolle können Kommunen, Unternehmen und Förderbanken übernehmen?
Der Beitrag des MMI verband eigene Analysen zum Jungen Wohnen mit Impulsen aus der Praxis der FDS gemeinnützigen Stiftung und der Stiftung Azubiwerk.
Kompetenzverbund aus Analyse und Umsetzung
Das Moses Mendelssohn Institut ist ein unabhängiges Analyse- und Forschungsinstitut mit langjähriger Expertise im Bereich Wohnungsmarkt, Junges Wohnen und Immobilienökonomie. Die Anteile am Institut werden vollständig von der Moses Mendelssohn Stiftung gehalten, die in der Tradition der 1929 gegründeten Moses Mendelssohn Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften steht und vor rund 20 Jahren neu begründet wurde.
Unter dem Dach der Stiftungs- und Treuhandmanagement gGmbH (STM gGmbH) ist zudem die FDS gemeinnützige Stiftung angesiedelt. Die FDS ist eigenständig und unabhängig von der Moses Mendelssohn Stiftung und verfügt über mehr als 50 Jahre bundesweite Erfahrung im Betrieb von Wohnheimen. Während zunächst Studierendenwohnheime im Fokus standen, entwickelt und betreibt die FDS heute auch Wohnangebote für junge Menschen in der Ausbildungsphase. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf preisgebundene, öffentlich geförderte Wohnheime für Studierende und Auszubildende.
Kennzeichnend ist dabei ein kostendeckender, langfristig ausgerichteter Betrieb ohne Gewinnerzielungsabsicht. Dies gilt auch für das freifinanzierte Segment.
Praxisbeispiel Wolfenbüttel: tragfähige Modelle in der Umsetzung
Ein zentrales Beispiel des Praxisdialogs war das Wohnheimprojekt in Wolfenbüttel. Dort wurden 155 Apartments realisiert, überwiegend als Einzelapartments mit eigenem Bad und Küchenzeile. Ergänzt wird das Angebot durch Gemeinschaftsflächen, einen Veranstaltungssaal sowie ein Betreuungskonzept aus Objektbetreuung, Quartiersmanagement und ehrenamtlichen Haustutorinnen und -tutoren.
Das Projekt wird über Fördermittel des Landes Niedersachsen („Junges Wohnen“) sowie der KfW finanziert. Die durchschnittliche Endkundenmiete liegt trotz Förderung über der BAföG-Wohnkostenpauschale. Dies verdeutlicht eine zentrale Herausforderung vieler Wohnheimprojekte: steigende Betriebs- und Nebenkosten bei gleichzeitig begrenzten Mietspielräumen.
Ein wesentliches Element des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit der Stadt und der regionalen Wirtschaft. Ein Beispiel wie Unternehmen aktiv zur Fachkräftebindung beitragen können. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Gemeinnützigkeit keine Quersubventionierung unkalkulierbarer Risiken bedeutet, sondern stabile, langfristige Betriebskonzepte erfordert.
Übertragbarkeit und Rolle der Akteure
Die Erfahrungen aus Wolfenbüttel zeigen: Wohnheime für Studierende und Auszubildende können funktionieren, wenn Aufgaben klar verteilt sind, Förderinstrumente praxisgerecht genutzt werden und Unternehmen frühzeitig eingebunden werden. Wichtig ist dabei ein ausgewogenes Vergabekonzept, das sowohl Rotation und Zweckbindung sicherstellt als auch Planbarkeit für Unternehmen ermöglicht.
Hier liegt die Stärke eines arbeitsteiligen Ansatzes:
Die FDS gemeinnützige Stiftung bringt ihre langjährige Erfahrung in Projektierung, Betrieb und Verwaltung ein.
Das Moses Mendelssohn Institut analysiert Marktbedingungen, bewertet Modelle und unterstützt Kommunen, IHKs und Unternehmen bei der Entwicklung übertragbarer Konzepte.
Fazit
Azubi-Wohnen ist kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Baustein moderner Standort- und Fachkräftesicherung. Die Kombination aus fundierter Analyse und praxiserprobter Umsetzung eröffnet Kommunen und Wirtschaftsregionen neue Handlungsspielräume. Entscheidend ist, Wohnraum nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil einer langfristigen Strategie für Ausbildung, Wirtschaft und regionale Entwicklung.